Neue Horizonte
Salina Schwörer erzählt uns, wie es war, auf einem Segelschiff aufzuwachsen – von ihrer Zeit auf dem Internat und was sie sich für ihre Zukunft wünscht.
Winter in der Schweiz. Salina Schwörer, 20 Jahre, ist in diesen Tagen schwer beschäftigt, findet aber trotzdem noch Zeit für unseren Videocall. „Morgen früh habe ich dann Snowboardleiter-Kurs“ – den Skileiter- sowie Langlaufleiterkurs macht sie gerade auch noch. „Ich liebe es, die Variation zu haben!“, so Salina. Nicht nur der Schneesport hat es ihr angetan, Schwimmen und Tauchen sind auch hoch im Kurs. Wenn man auf dem Segelschiff aufgewachsen ist, scheint die Liebe zum Wasser natürlich zu sein. Ein Leben, von dem viele Leute träumen – auszusteigen, das offene Meer vor sich zu sehen.
Für Salina war das viele Jahre lang Alltag. Doch dauerhaft auf einem Schiff leben ist kein Ferienausflug. Auch hier gibt es Verpflichtungen, wie Homeschooling oder Nachtwache halten, denen Salina und ihre fünf jüngeren Geschwister nachkommen mussten. Aber was macht man als 12-Jährige den ganzen Tag auf einem Segelschiff mit null Privatsphäre? „Boah, also mit fünf Geschwistern ist immer was los. Wir haben Hausaufgaben gemacht, gelesen und auch super viel gespielt. Auch wenn es nur Verstecken war, wo jeder wusste, wo der andere ist, hatten wir richtig Spaß. Unsere Eltern haben auch immer versucht, es spannend zu halten. Wir sind zum Beispiel jeden Morgen hundertmal ums Schiff gelaufen, damit wir zumindest einen Kilometer am Tag gerannt sind.“
Auch Hobbies sind nicht zu kurz gekommen. Ihr Bruder Andri hat Geige gespielt und Salina: „Ich wollte eigentlich immer Kontrabass lernen, aber das Instrument war wirklich zu groß für das Schiff. Also hat mich meine Mutter davon überzeugt es mal mit Cello zu probieren.“ Sabine, die Mutter von Salina, ist in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen und konnte ihren Kindern deshalb einige musikalische Grundlagen mitgeben – denn Internet gibt es auf dem Boot nicht.
„Ich habe sehr viel Tagebuch geschrieben und Musik gehört. Ich wollte ja Popstar werden!“ Und wenn sie mal komplett Ruhe haben wollte – „Mein Lieblingsplatz war nicht auf dem Schiff, sondern unter dem Schiff.“ Salina zückt dazu Stift und Papier und zeichnet. „Das ist ein Kiel, der unter dem Schiff ist, damit es nicht kippt. Und ich tauchte da hinunter und saß dann auf dem Kiel, solange ich halt die Luft anhalten konnte. Es ist so ruhig dort unten und so schön, denn manchmal hat man dort auch die Delfine gehört.“
Bereits mit 13 Jahren wusste Salina, dass sie ihren Weg gehen wird und dieser Weg führt sie weg vom Schiff. Nach einigem Hin und Her kam endlich die Nachricht – Salina kann ein Gymnasium in der Schweiz besuchen. „Dass ich dann das Stipendium für Engelberg bekommen habe, war das Beste, was mir passieren konnte“, so
Salina. Dennoch waren die ersten zwei Wochen richtig schwierig. „Ich habe mich selbst in den Schlaf gewogen, weil ich es gewohnt war, dass sich das Schiff bewegt. Und ich fand es auch komisch den Horizont nicht zu sehen, ich fühlte mich sehr eingeengt, weil Engelberg zwischen den Bergen liegt.“
In dieser Zeit hat Salina auch verstanden, dass sie schon anders aufgewachsen ist als ihre Mitschüler:innen. Sie kann nicht auf Kindergarten-Erinnerungen zurückblicken und sie hat auch erst im Internat gelernt, längere und engere Freundschaften zu pflegen. Dennoch: „Ich merke schon auch, dass ich nicht so schnell über andere urteile, wie vielleicht meine Mitschüler:innen, weil ich schon so viele Kulturen sehen durfte. Ich kann vielleicht ein bisschen besser nachvollziehen, warum jemand etwas tut. Meine Eltern haben uns beigebracht, dass man offen auf Leute zugehen sollte und Kulturen erleben muss, um wirklich einen Eindruck davon zu haben.“
Diesen Aspekt will Salina auch weiterhin in sich tragen. Offen gegenüber Menschen sein, aber auch offen für das Leben. Letztes Jahr hat sie ihre Matura erhalten und schmiedet schon Pläne: Sie hat sich für ein Zahnmedizin-Studium in der Schweiz beworben. Falls das klappt, möchte sie danach Menschen auf der Welt helfen, die keinen oder nur eingeschränkt Zugang zu einer zahnärztlichen Versorgung haben. „Unsere Eltern lassen mir und meinen Geschwistern immer die freie Wahl, was wir machen möchten. Ich glaube, jede:r von uns bei TOPtoTOP hat die Mission, auf den Klimawandel aufmerksam zu machen und die Menschen für den Schutz der Natur zu sensibilisieren. Das wird uns auch in Zukunft begleiten, und wir wollen unseren Beitrag leisten – jede:r auf seine eigene Weise. Solange es Hoffnung gibt, kann uns niemand aufhalten."
Nachdem Salina nun einen Ski-, Snowboard- und Langlauflehrerschein hat, eine Frage zum Schluss: Hast du einen Segelschein? „Haha, die Frage hat mir wirklich noch niemand gestellt, aber tatsächlich bin ich gerade dabei den zu machen! Ich muss dafür ziemlich viel lernen, weil wir statt den Fachbegriffen oft andere Wörter verwendet haben. Auch den Praxisteil muss ich machen, trotz meiner vielen nautischen Meilen. Da kann ich leider nichts überspringen!“
Besuche unsere Filmevents
Alle Termine und Tickets
Finde jetzt Termine in deiner Stadt und sichere dir Tickets für einen Abend voller Emotionen und Leidenschaft für den Ozean.
Filmprogramm & Trailer
Die fünf neuen Filme der International Ocean Film Tour Volume 12 erzählen von Menschen, die Aufbruch und Veränderung wagen.
Film: Home is the Ocean
Seit 25 Jahren auf Expedition: Eine achtköpfige Schweizer Familie hat auf dem Meer ihr Zuhause gefunden.